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"ALWAYS BLUE" - Clemens Salesny / Bumi Fian Quintett
Alessa Records ALR 1003
 
   
  In den letzten zwei Jahrzehnten hat Österreich eine Vielfalt von Talenten und beachtlichen Jazzmusikern hervorgebracht, die eine äußerst lebendige, für ganz Europa repräsentative Jazzszene entstehen ließen.

Vier solcher Ausnahmebegabungen haben sich hier um den Langzeit - Trompeter des Vienna Art Orchestra, Karl „Bumi“ Fian, Jahrgang 1960, geschart, um ein Quintett zu bilden:

Der Saxophonist Clemens Salesny, Schüler von Klaus Dickbauer und trotz seiner Jugend (Jahrgang 1980) bereits in zahlreiche Projekte mit Künstlern von Eddie Henderson, Joe Zawinul und Thomas Gansch bis zu Sabina Hank involviert gewesen.

Photo: Rainer Rygalyk
 
  Pianist und Keyboarder Clemens „Bumpfi“ Wenger, 1982 geboren und viel beschäftig hin – und her pendelnd zwischen Avantgarde (Renald Deppe, Max Nagl), Jazz und Populärem (Ausseer Hardbradler).
Thomas Froschauer, ebenso wie Salesny und Wenger aus Niederösterreich stammend, Big Band – erfahren und von Jazzkapazitäten wie Puschnig, Scherer und Radovan gleichermaßen geschätzt wie von Austro – Rocker Andy Lee Lang.
Und schließlich Bernhard Osanna, Kontrabassist, als Jahrgang 1972 beinahe schon ein „Senior“, Mitstreiter von (u.a.) Jeff Hamilton, Bill Holman, Flip Philips oder Hans Salomon.

Dieses Clemens Salesny – Bumi Fian Quintett beherrscht die musikalische Sprache des zeitgenössischen Jazz perfekt: ausgeweitete, modale Harmonik, komplizierte, oftmals etwas vertrackte Linien, das Aufbrechen der Form, Improvisationen in großen Intervallsprüngen, Tempowechsel, Dissonanzen als Stilmittel, microtonale Effekte und vieles mehr, das seit Ornette Coleman, Eric Dolphy und Charles Mingus zur Ausdruckspalette der Jazz – Moderne gehört. Konventionelle Klischees fehlen der Musik des Quintetts gottlob ebenso wie die Hingabe zu modisch – zeitgeistigen Strömungen. Dafür gibt es bestens ausgenützte improvisatorische Freiräume, mehrheitlich Tonalität, Bluesverbundenheit (Fian!) und gelegentlich sogar Gespür für’s Dramatische.

Was einst als revolutionäre Neuerung schockiert hat, wird von den fünf Musikern unverkrampft mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit in das 21. Jahrhundert transformiert, wobei vor allem Salesny’s Kompositionen – sie bilden die Mehrheit der acht Titel – in Anlehnung an das Genie Charles Mingus viel melodische und formale Eigenständigkeit und Charakter aufweisen. Auch die Arrangements der beiden Stücke („Epistrophy“, „Misterioso“) von Thelonious Monk, einem weiteren „Genius Of Modern Music“, lassen Originalität und Ideenreichtum erkennen.

„ALWAYS BLUE“ und das Clemens Salesny – Bumi Fian Quintett sind ein weiterer, hervorragender Beleg für die künstlerische Potenz des „Jazz made in Austria“.

Klaus Schulz
 
     
 
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